KURZbeschreibung
Frühkindliche Kommunikationsstrategien
Effiziente Kommunikation besteht unter anderem darin, genau jene Informationen weiterzugeben, die unsere Mitmenschen benötigen. Die Forscher Tibor Tauzin, György Gergely und Josep Call untersuchten, ob Babys auch das Wissen anderer Menschen berücksichtigen und ihre Kommunikation entsprechend anpassen, noch bevor sie sprechen lernen.

Wenn sie beispielsweise Pläne mit einem Freund machen, ist es ausreichend, die Uhrzeit festzulegen, zu der sie ihn bei sich zuhause erwarten würden. Bei der Lieferung eines neuen Sofas hingegen, müssen wir auch die Stadt und Postleitzahl angeben, während das Unternehmen wiederum bekanntgeben sollte, in welchem Zeitfenster das Paket ankommen würde. Effektive Kommunikation beginnt also mit der Einschätzung des Wissens unseres Gegenübers. Andernfalls besteht die Gefahr, dass wir ihn mit redundanten Details langweilen oder wichtige Informationen weglassen.

Die Wissenschaftler testeten, ob 18 Monate alte Kinder eindeutigere Zeigegesten verwenden, wenn ihr Kommunikationspartner einen höheren Informationsbedarf hat. Zwei Erwachsene zeigten den Teilnehmern eine Aufziehpuppe (die die Kinder sehr mochten) und einen einfachen Baustein (der viel weniger beliebt war). Dann spielten sie gemeinsam ein Versteckspiel: Ein Erwachsener versteckte die Gegenstände hinter jeweils einem von zwei identischen Bechern und verließ den Raum. Als nächstes kam entweder dieselbe Person oder der andere Erwachsene, der den Versteckvorgang nicht gesehen hatte, herein, um nach dem interessanten Spielzeug zu suchen. Die Forscher beobachteten, wie die Kinder reagierten, wenn sie gefragt wurden, wo die Puppe war.

Wenn die Person, die die Frage stellte, dieselbe Person war, die die Spielzeuge versteckt hatte, war es weniger wichtig, wie die Babys reagierten – der Erwachsene hätte das Spielzeug mit oder ohne Hilfe beim ersten Versuch gefunden. Wenn die Person, die nach dem Spielzeug suchte, den Versteckvorgang jedoch verpasst hatte und die Puppe sich hinter dem Baustein befand, hätten einfache Zeigegesten der Babys irreführend sein können. Denn direkt auf die Puppe zu zeigen, ist in diesem Zusammenhang mehrdeutig: So würde man auch auf den nächstgelegenen Becher verweisen. Das Zeigen war jedoch die einzige Möglichkeit für die Säuglinge, die Person zu informieren: Da sie in einem Hochstuhl saßen und die Becher außerhalb ihrerReichweite waren, konnten sie die Spielzeuge nicht einfach selbst enthüllen.

Bemerkenswerterweise fanden die Babys mehrere Möglichkeiten, um den Versteck des Spielzeugs eindeutig zu signalisieren: Wenn sie beispielsweise mit erhobenem oder angewinkeltem Arm zeigten, verstanden die Erwachsenen, dass sich die Puppe unter dem weiter entfernten Becher befinden sollte. Babys verwendeten diese anstrengenderen, aber klareren Formen des Zeigens häufiger, wenn der Erwachsene nicht wissen konnte, wo die Puppe sich befand. Darüber hinaus zeigten die Kinder im Allgemeinen häufiger auf das Zielobjekt als auf das andere Objekt, wenn ihr Kommunikationspartner einen höheren Informationsbedarf hatte.

Diese Ergebnisse zeigen, dass 18 Monate alte Kinder den Zusammenhang zwischen dem Wissen anderer und dem Wert von Informationen verstehen. Wenn Eindeutigkeit entscheidend ist, nutzen Babys die ihnen zur Verfügung stehenden Kommunikationsmittel präziser, kreativer und flexibler. Diese ausgefeilten Kommunikationsfähigkeiten ermöglichen es kleinen Kindern, erfolgreich mit ihren Mitmenschen zu kommunizieren.

Artikel: Tauzin, T.,Call, J., Gergely, G. (2024) Infants Produce Optimally Informative Points toSatisfy the Epistemic Needs of Their Communicative Partner. Open Mind 2024; 8:1228–1246.

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